Archive for the ‘Films’ Category

Himmel und Hölle

Monday, May 28th, 2012

Der koreanische Film Himmel und Hölle denkt eine moderne Welt, in der der Gang zum Himmel oder zur Hölle, Engel und Dämonen Realität sind, ein vom Menschen akzeptiertes kaltes System über dem Ihrigen, aber doch nicht göttlich, Umwindung erlaubend. Von Gott ist keine Rede. Fragen nach Schuld und Verdienst, Gut und Böse werden zwar von den Figuren aufgeworfen, doch es scheint ihnen nicht weiter verblüffend, wie wenig sie mit dem System von Himmel und Hölle zu tun haben. Der Protagonist des ersten Teils ist ein einsamer Büroarbeiter, der ein leeres Leben führt, und vom System der Hölle zugewiesen wird, in den zweiten (oder später den dritten, Übersetzungsfehler?) „Kreis der Hölle“. Die Protagonistin des zweiten Teils ist Künstlerin, verlobt, in Beziehung zu ihrer Mutter stehend, sie ist dem Himmel zugewiesen. Überbringer der Schicksalsnachrichten sind Engel. Die Engel sind nackt, sie tragen Wahrhaftigkeit statt nur religiöser Symbolik, erscheinen jedoch andererseits wie Maschinen.

Der Protagonist des ersten Teils versucht den Dämonen zu entkommen, die ihn martern und in die Hölle führen sollen. Während an seinem Vorgesetzten demonstriert wird, was die Hölle bedeutet, indem ihm von den Dämonen die Haut abgezogen wird – die Dämonen zeigen sich sadistisch und nicht rein professionell, ist das eine Notwendigkeit, die die Dämonen als Gegenpol und doch Mitarbeiter der Engel ausmacht? Jedenfalls weist ein Engel nach dem Kundtun sadistischer Häme eines Dämons dem Protagonisten eine Fluchtmöglichkeit. Er führt nun ein Leben in der Kanalisation, geplagt von Albträumen, in Angst, erfolgt. „Diese Angst ist so quälend wie die Hölle selbst“. Tatsächlich macht es nichts aus. Doch er akzeptiert es, er gibt vor, eine freie Entscheidung gehabt zu haben, der folgend es ihm nun zugestanden ist zu leben, auch wenn er unter höchster Bedrohung sich zu der Flucht entschieden hat, die direkte Konfrontation war unvermeidlich – wie später auch im zweiten Teil. Jahre, erzählt er, verbringt er auf der Flucht. Man erhält das Gefühl, er führt den kalten Büroalltag in einem kalten höllenartigen Fluchtalltag fort, bloß jagt er Ratten statt Papiere.

Die Protagonistin des zweiten Teils mit ihrem reichen Leben erhält mehr Zeit zwischen Verkündigung und geplantem Zustandekommen ihres Todes. Sie hat Zeit ihr Leben „zu ordnen“. Sie akzeptiert zunächst ihr Schicksal, wie es sich gehört, eröffnet dem Zuschauer ihre Kenntnisse vom Himmel. Der Himmel, das ist die Gottesschau, die Gott als ein leeres Konzept ermöglicht, wie es auch für uns möglich ist, das ist der Tod, wie er eine wahre Angst ermöglicht, die der Protagonistin begegnet. Der Himmel ist frei von Person, sogar frei von Bewusstsein und Schmerz, was identisch ist – sie hatte sich gefragt, „wie man bei vollem Bewusstsein den Schmerz vermeiden kann“ – der Schmerz ist immanent, nicht nur Angelegenheit der Hölle. Nachdem sie noch der sich alltäglich verhaltenden, die Annahme des Loses empfehlende Mutter begegnet ist, trifft sie ihren Verlobten, der einige Emotionen von sich gibt, eine gemeinsame Flucht vorschlägt. Schockiert ist sie, wie er das Heil ihrer beider in Gefahr bringt, wendet sich ab, doch kommt schließlich selbst dazu: Sie wolle sich erinnern, lieben, weinen, streiten, Angst haben, „wahres Glück“ nennt sie es, doch andererseits sieht sie: Auch ihr Leben ist im Grunde leer, es gibt nichts zu ordnen. Die Mutter scheint ihr abzuraten, tötet sich dann jedoch selbst und hinterlässt eine Nachricht: Sie habe darin die einzige Möglichkeit gesehen, ihr eine freie Entscheidung zu ermöglichen, zu fliehen, frei von Gedanken an das Wohl der Mutter. Die einzig mögliche „freie“ Entscheidung ist die zur Flucht. Die Idee, die vorher schon begann, die Protagonistin „zu beherrschen“, das ist die Freiheit, die so sehr im Vordergrund steht. Genauso wenig wert wie das Familiäre, das im Streit beendet wurde, von Erwartungen durchsetzt. Nun will sie tatsächlich fliehen, nur noch kurze Zeit verbleibend, läuft zu ihrem Verlobten, der ihres Todes sicher bereits für die Anwesenheit einer neuen Sexualpartnerin Sorge getragen hat. So wird ein weiterer verherrlichter Aspekt der menschlichen Welt wertlos, der der Liebe. Doch macht dies nicht etwa den Himmel doch erstrebenswert, er bleibt ein Unsinn, an seine Stelle tritt das Erbrennen des Lebens, die leidenschaftliche Tötung mit der Schere, das Feuer kann direkt in der Hölle fortgesetzt werden. Nichts bleibt von Sozialem, von Persönlichem, von Menschlichem, von Himmlischem, von Höllischen.

Leider konnte der Film zumindest mich nicht emotional erreichen, Angst, Trauer oder Verstörung kamen nicht bei mir an, was verhinderte, ihn zu einem unglaublichen Erlebnis zu machen. Ansonsten bietet er aber doch etwas.

Der Film bei Youtube
Programmeintrag mit Zusammenfassung bei Arte
Eintrag in der IMDB

Road to Perdition

Sunday, May 27th, 2012

Wer ist dieser Protagonist? Bürgerlich lebender Familienvater, Killer, dem lokalen Mafia-Boss näherstehend als sein eigener Sohn, aber damit betraut, in etwaigen Etablissements Schulden einzutreiben. Lässt man diese nebensächliche Unsinnigkeit seiner Rolle in dem Unternehmen beiseite, tritt aber noch Schlimmeres zutage: Was ist seine Motivation? Wieso rächt er sich? Ein bürgerlicher, vernünftig denkender, gefasster Mann, entschlossen, so zu handeln, wie es die Situation verlangt. Aber als seine Frau und sein einer Sohn sterben, besteht er darauf, einen Privatkrieg zu führen. Er ist kein Mundharmonika und kein Sasori, deren Person gänzlich in der Rache erblüht, und die gänzlich gefasst sind. Er ist kein schnöder klassischer Held, der unausweichlich, als Element des Rahmenwerks, eine alte Rechnung zu begleichen hat. Für nihilistische Interpretation besteht erst Recht keine Möglichkeit. Nicht einmal wird die Rache relativ unverhohlen vorgeschoben, um unsinnige Ausartungen von Gewalt in eine Story zu packen. Nein, die Story sollte wohl einfach so sein, weil es ganz nett erschien. Er tötet also sinnloserweise eine ganze Menge Leute, ohne dass die Sinnlosigkeit ihm irgendwie gut stehen würde, ohne dass er Hass tragen würde, selbst seinen geliebten Boss, trotzdem ihm so manches gutes Angebot gemacht worden ist, das ihm als verantwortungsvoller Familienvater gut hätte gefallen sollen. Eine vielschichtige, nicht so leicht zu durchdringende Person, wie ich es versuche? Nein, das kommt nicht herüber.

Was ist sonst noch mies an diesem Film? Ein unfähiger Killer, der als „Spezialist“ bezeichnet wird. Ist er spezialisiert auf Morde an ganz speziellen Leuten? Oder eigentlich nur Spezialist mit seiner Kamera und der Bildinszenierung? Haben die Auftraggeber sich verwählt und den Mann irrtümlicherweise für den Spezialisten, den sie meinten, gehalten? Man weiß es nicht, aber viel bessere Erklärungen fallen einem nicht ein bei einer unachtsamen Plaudertüte, die versehentlich die Person im Nebenraum erschießt und später dann von seinem Opfer noch Minuten, nachdem sie es getroffen hat, zur Strecke gebracht wird. Unfähige Leibwächter, die auch im Schussfeld einer Schnellfeuerwaffe ruhig stehen bleiben und mit ihren Pistölchen ins Leere schießen. Geld von Al Capone, das man sich einfach nur abzuholen braucht. Die inszenierte Verdammnis durch den wartenden Spezialisten – hat er gewartet, wieso läuft dann der süße Hund noch herum, und er hat das lange gemacht? Er wurde gerade erst dorthin gewiesen? Wieso denn, als die Sachen bereinigt waren? Kein Einblick in etwaige weitere Strukturen, die dies bedingten, aber auch kein Rätsel. Ein wenig moralisches Geschwätz, der Junge, der mit seinem Vater unterwegs war, hat nie wieder eine Waffe angefasst, der Vater wollte nicht, dass er wird wie er. Uninteressant.

Gestalterisch hat der Film auch nichts Besonderes zu bieten, nichts von irgendeinem künstlerischen Wert. Ein paar hübsche Autos, wie es sich für 1931 gehört und ein wenig genretypische Anzüge, das wars. Kurz um: Was soll das?

Looking for a good film? USCCB can help you!

Friday, May 25th, 2012

Hi,

today I want to present you a great website listing a bunch of films with quite accurate ratings: It is the Catholic News Service movie list (see also here) featured by the US Conference of Catholic Bishops! Various of my favourite films got the best grade “O” (morally offensive)” (seriously, do not read the reviews, just take the grades), including Mulholland Drive and Clockwork Orange, or also Funny Games, Black Swan and Watchmen, films I really like, too. Unfortunately they do not cover the films by Gaspar Noé, it would be interesting, whether they would recognise his great relativistic, pornographic, unsettling art, breathing the spirit of the worthless world.

Well, unfortunately it is quite easy to game this system: Just add any explicit depiction of homosexuality without saying “you are so bad, god does not want that!” and without letting the involved persons burn in hell, you will get the best grade. Even Lynch’s worst film (I have seen so far) Blue Velvet got the best grade – even better than Persona or A Space Odyssey. Quite funny: They interprete The Tree of Life like there is no criticism of christianity in this film—maybe they are so deluded that they consider the depicted absurdity to be normal.

Kurzschluss 18.3.2011

Sunday, March 20th, 2011

Heute ein paar Kurzfilme, die am Freitag auf Arte liefen.

Film 1: Der Freund

Der Freund (Französischer Originaltitel: L’ami)
Für alle, die so wie ich nicht den proprietären Flash-Player benutzen möchten:

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(nur bis nächsten Freitag gültig)

Andreas ist einem Geflecht von Beziehungen gefangen, vor dem er enweder fliehen oder das er lösen muss.

Ja, kranke Beziehungen, krank, nicht weil sie homosexuell sind, sondern weil sie krank sind. Kurz zur Handlung: Andreas ist die Hauptperson, sein Vater leitet einen Steinmetzbetrieb mit zumindest einigen Mitarbeitern, einer von ihnen ist Fredy, der eine seltsame Beziehung zu Andreas und dessen Vater hat. Die Beziehung zwischen Andreas und seinem Freund Samuel dagegen wirkt relativ normal, auch wenn sie sich häufig aufziehen. Als Gegenpol zu Fredy, der krankhaft auf ihn reagiert, sorgt er jedoch für weitere Verwirrungen. Ein wenig könnte ich noch über Handlung und Beziehung schreiben, aber wirklich etwas gesagt hat mir der Film nicht, schaut ihn euch an. Stilistisch: Wie so oft bei Kurzfilmen ohne Musik, was durchaus nicht schlecht ist, recht konservativ gefilmt, allerdings einige Einstellungen, die gut Verwirrung oder Beklemmung ausdrücken.

Film 2: Auf Wiedersehen, Mandima

Auf Wiedersehen, Mandima („Französischer“ Originaltitel: Kwa heri Mandima)

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(ebenfalls nur bis Freitag gültig)

Mithilfe alter Kinderfotos erzählt Regisseur Robert-Jan Lacombe von seinem Aufbruch aus dem damaligen Zaire.

Eine persönliche Sicht auf den Wahnsinn der Spaltung der Welt. Schön anzusehen.