Archive for the ‘Deutsch’ Category

Man ist ja nicht ausländerfeindlich

Tuesday, April 12th, 2011

Man ist ja nicht ausländerfeindlich, aber manch einer ist doch Hunger- oder Wassertod besser aufgehoben als hierzulande. So scheint zumindest der rechte Saft aus den Mäulern mancher christlich demokratischer und sozialer unierter Politiker in Deutschland zu laufen, Muslime sind ja sowieso schlechtere Menschen, demokratieunfähig, bedürfen keiner sozialen Unterstützung und die Union sollte doch spätestens an Europas Grenze aufhören.

Ob vom bundesdeutschen CSU-Innenminister Hans-Peter Friedrich oder dem bayrischen Pendant Joachim Herrmann: Grenzen abschotten, niemand darf ins Land, die Italiener sollen sich alleine drum kümmern, am besten mit dem Militär („Dazu müsste die italienische Marine wohl in der Lage sein“), sehr angemessen, eine Küstenwache hat einfach nicht die Ausbildung zum zuverlässigen Versenken. Man zeigt sich natürlich gnädig, die 100 erbarmungswürdigsten Afrikaner aus den schlimmsten Bürgerkriegsregionen dürfen rein, die sogenannten „Wirtschaftsflüchtlinge“ weiß man klar davon zu trennen, das dreckige afrikanische Geschmeiß darf keine Chance bekommen, nachher noch in Deutschland einen Euro zu verdienen. „Wirtschaftsflüchtlinge“ – natürlich, vor dieser Wirtschaft würde man schon einmal gerne fliehen, die solche Armut hervorbringt, doch dies ist auf diesem Planeten vllt. durch Eremitentum, nicht aber durch das Auswandern möglich, die Flucht geschieht nicht vor der Wirtschaft, sondern vor der Symptomatik, vor der Armut. Die Nationalstaatlichkeit bleibt unüberwunden, auch den marginalen paar Tausend Asylbewerbern, die es hier in Deutschland immer gibt, darf man nicht nachgeben, wo käme man denn dahin?

Man braucht keinen Respekt vor denen, die viel, sehr viel in ihrer Heimat aufgeben, die von uns geschaffenen und geförderten Risiken der Reise nach Europa auf sich nehmen, es sind ja nur Wirtschaftsflüchtlinge, die machen eine kleine Reise – machen deutsche Tunesienurlauber ja auch – und werden dann eben zurückgeschickt – Reklamation, ihr Bürgerkrieg war nicht blutig genug für deutsche Standards. Wir sind ja sogar nett, organisieren wir ihnen doch einen schönen Platz im Asylantenheim und auch den Rückflug, sogar mit polizeilicher Begleitung bis zum Flughafen, so viel Service umsonst gibt es für die deutschen Tunesienurlauber nicht. Menschlichkeit ist unwichtig, Wirtschaftsflüchtlinge müssen raus, selbst wenn sie eine Chance für ein Land mit sinkenden Geburtenraten und Einwanderungszahlen sind. Die Probleme müssen natürlich auch nicht gelöst werden, jeder für seine Nation, vllt. noch ein wenig EU für eine bessere Wirtschaft, aber wieso sollte man den Hunger angehen? Da ist einem doch der Entwicklungshilfeminister von der FDP, der sein Ministerium für Entwicklungshilfe gleich abschaffen will, sehr genehm. In Frankreich und Italien ist man mit den rechten Politikerköpfen von Berlousconi und Sarkozy natürlich genauso gut dabei, nur hat Berlousconi einmal pragmatisch versucht, anderen ein wenig Verantwortung zu übertragen, wo er selbst heraus wollte, aber man will die rechten und völkischen Wähler natürlich nicht enttäuschen, indem am Ende noch ein Afrikaner in ihrer Nachbarschaft wohnen darf.

Was soll an einem solchen Aussagen zugrundeliegenden Weltbild nicht menschenverachtend sein? Parteien wie CDU und CSU sind nicht radikal, aber fehlende Radikalität macht solches Gedankengut noch lange nicht hinnehmbar. Erstaunlich, wie so etwas dennoch von Medien und allgemein der Bevölkerung hingenommen wird, während NPD- und Sarrazin-Aussagen glücklicherweise recht einhellig geächtet werden.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Saturday, April 9th, 2011

Mit doch einigen tausend Ergebnissen bei Google scheint der Spruch nicht ganz neu zu sein, abe ich fand es doch sehr schön, als ich die nette Bemerkung bei der Eisenhüttenkunde bestaunen durfte:

Metall-Statue: Ein Eisengießer

Der würdige Eisengießer

(auf einem Sockel) Ist das Kunst oder kann das weg?

Und hier sieht man sie aus der Nähe, die schöne Aufschrift

Nun, worauf mag sich die Frage beziehen, auf die Statue? Vmtl. eher ein Standardwerk, dass eben zum Eisenhüttenkundegebäude passen sollte, wohl keine Kunst, es soll aber auch nicht weg, besser als nichts, also weder noch. Aber so will man das doch nicht interpretieren, wir wollen Selbstbezug! Na klar ist das Kunst und warum sollte es weg? Aber von der Machbarkeit aus gesehn ist es wirklich leicht zu entfernen. Spätestens wenn es dann weg ist, muss es doch Kunst (gewesen) sein! :D Es ist natürlich Kunst, die nur durch Bezug auf die Kunst existiert, aber das macht ja nichts, die Meta-Kunst findet sich doch überall in der Avantgarde.

Neo-Nazis mal wieder auf der Straße

Friday, April 8th, 2011

Leider haben wir auch in Deutschland ein fortwährendes Problem mit Rechtsradikalen, auf diesen widerlichen Aufruf bin ich heute an einem Bahnhof gestoßen – ich war nichtsahnend unterwegs, die ganze Treppe war vollgemüllt – er stammt aus Kreisen der NPD:

Nazi Aufruf

Der Drecksaufruf

Dazu muss wohl nichts gesagt werden, menschenverachtend, fern von menschlichen Idealen, Angstmache. Hier finden sich mehr Informationen. Ein Glück, dass es nur Papier ist, nach einigen Minuten war die gesamte Propaganda am Bahnhof aufgesammelt, um dahin zu gelangen, wo sie hin gehört: in den Papiermüll:

Nazi-Propaganda zusammengeknüllt in der Faust

Der gesamte Dreck des Bahnhofs in komprimierter Form auf dem Weg zu seinem Bestimmungsort

Solches Zeug muss unschädlich gemacht werden, wenn es auftaucht, jede Minute, die es in der Öffentlichkeit sichtbar ist, ist eine Minute rechter Präsenz zu viel!

Waffen für die Libyer

Sunday, March 20th, 2011

Gaddafi hat nun wohl tatsächlich seine Waffenkammern öffnen lassen. Das kann ja heiter werden, wenn lauter bewaffnete Zivilisten mit unklarer Haltung zu Gaddafi herumlaufen, Verwirrung stiften, und damit wohl auch die Integrität des internationalen Einsatzes bedrohen können, wenn es durch solche Verwicklungen zu getöteten Zivilisten kommt. Abgesehen davon sind irgendwelche Marodeure nie eine besonders friedensförderliche Sache.

Der eklige Mörder

Sunday, March 20th, 2011

Die Bildzeitung hat mal wieder einen Kindermörder als eine ihrer Top-Stories – wen interessiert schon die Revolution in Libyen – wenn schon gerade einmal kein Kind in Deutschland umgebracht worden ist, nehmen wir den alten Bekannten Magnus Gäfgen, da kann man noch ein wenig mehr zweifelhaftes Gedankengut verbreiten als beim Ottonormal-Kindermörder. Nun gut, Gäfgen wurde damals Folter angedroht, um den Aufenthaltsort des Kindes, das allerdings schon tot war, herauszupressen. Der verantwortliche stellvertretende Polizeipräsident und der verhörende Kommissar wurden mit Verweis auf §1 des Grundgesetzes – seine Bedeutung mag der Bild-Redaktion unbekannt sein – schuldig gesprochen. Ein paar Jahre später behauptet nun Gäfgen, psychische Schäden davongetragen zu haben, was offenbar psychologisch bestätigt werden konnte, daher fordert er Schmerzensgeld.

Nun, wo liegt das Problem? Ich weiß es nicht, aber viele, geneigte Einwohner dieses Staates scheinen sich damit wohl nicht anfreunden zu können. Tatsächlich erzeugt dieser selbstverständliche Vorfall eine Medienaufmerksamkeit, die Bild verurteilt Gäfgen sogleich als „eklig“, bevor sie überhaupt sagt, worum es geht. Andere Zeitungen vermögen womöglich die unmenschliche Meinungsmache ein wenig von der „objektiven“ Berichterstattung zu trennen, aber dann liest man Dinge wie:

Laute Empörung im Publikum ob solcher Rücksichtnahme:

Ja, hinter dem Doppelpunkt setzt bei der Welt tatsächlich eine Rechtfertigung dafür an, dass man Gäfgen ein Mittagessen nicht gönnt. Selbst die taz setzt gleich mit einer herabwürdigenden Wertung an:

Magnus Gäfgen präsentierte sich mal wieder in seiner Lieblingsrolle: als Opfer.

Schade, dass sich die taz nahezu auf das Springerniveau herablässt, dafür werden immerhin noch Hintergründe geliefert, etwa die Bestätigung durch einen Psychiater.

Genug zur Presse, worüber sich die Leute so beschweren:

  • Manche Leute beschweren sich tatsächlich darüber, dass diese Prozesse Geld kosten und „der Steuerzahler“ dann Geld an einen Kindermörder zahlen müsste. Einfach nur lächerlich, dass wir uns Rechtsstaatlichkeit nicht mehr leisten können sollen.
  • Geringfügig glaubwürdiger erscheint da der Ruf, rechtlich sei die Folterandrohung falsch und zu verurteilen, moralisch jedoch in Ordnung, und ich sage: nein, an der Entwürdigung eines Menschens ist nichts moralisch in Ordnung, und man hätte dadurch auch kein Kind retten können, der Kerl war intelligent genug, als dass er es verraten hätte, wenn das Kind Jakob von Metzler noch gelebt hätte, ich traue es dem Jura-Studenten schon zu, dies als sinnvollsten Ausweg erkennen zu können.
  • Ähnlich schallt es konkret zur Schmerzensgeldforderung: Das Recht ist in Ordnunug, dass er das einfordern kann, aber moralisch angesichts seines Verbrechens ist es das nicht. Ich leugne nicht, dass es Diskrepanzen zwischen Recht, Gerechtigkeit und Ethik gibt, aber wenn er tatsächlich psychisch unter der damaligen Folterandrohung zu leiden hat, dann ist es nur gerecht und nur moralisch ihm wie jedem anderen, der von solchen polizeilichen Methoden betroffen ist, ihm eine Wiedergutmachung zuzugestehen. Solches Leid darf auch nicht als Strafe für das Verbrechen legitimiert werden, davon hat niemand etwas, nicht die Angehörigen des Opfers, nicht die Rechtsstaatlichkeit, nicht die Sicherheit der Gesellschaft.
  • Unglaubwürdigkeit: Wer über den Tellerrand des Axel-Springer-Verlags hinaus blickt, kann auch von Bestätigungen Gäfgens Glaubwürdigkeit hören. Vorallem aber hat man das Vorgehen nicht zu beurteilen, bevor nicht ein Prozess stattgefunden hat, ein absolutes Unding ist es, die Aufnahme eines Prozesses ihm verweigern zu wollen.
  • Fehlende Anteilnahme und Reue werden oft genannt, um ihn als ekliges Monster hinzustellen. Aber auch ein „ekliges Monster“ hat die Menschenrechte, zudem: Was kann er dafür, wenn er keine Empathie verspürt, egoistisch und antisozial ist? Er hat das ausgelebt, und leider konnte niemand den Schaden an anderen verhindern. Die Gesellschaft sollte vom Gedanken der Schuld abkommen und Strafen pragmatischer sehen als zur Besserung der Täter oder zumindest dem Schutz der Gesellschaft dienend, Sühne und Schuld sind konstruierte Konzepte, mit denen sich die institutionalisierte Rache mit christlichen Werten in Einklang bringen lässt.

Fazit: Denkt darüber nach, was wirklich moralisch ist, wobei jedem Menschen seine Rechte zugesprochen werden, anstatt niedere Triebe wie Ekel und Rachsucht als Moral zu bezeichnen.

Kurzschluss 18.3.2011

Sunday, March 20th, 2011

Heute ein paar Kurzfilme, die am Freitag auf Arte liefen.

Film 1: Der Freund

Der Freund (Französischer Originaltitel: L’ami)
Für alle, die so wie ich nicht den proprietären Flash-Player benutzen möchten:

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(nur bis nächsten Freitag gültig)

Andreas ist einem Geflecht von Beziehungen gefangen, vor dem er enweder fliehen oder das er lösen muss.

Ja, kranke Beziehungen, krank, nicht weil sie homosexuell sind, sondern weil sie krank sind. Kurz zur Handlung: Andreas ist die Hauptperson, sein Vater leitet einen Steinmetzbetrieb mit zumindest einigen Mitarbeitern, einer von ihnen ist Fredy, der eine seltsame Beziehung zu Andreas und dessen Vater hat. Die Beziehung zwischen Andreas und seinem Freund Samuel dagegen wirkt relativ normal, auch wenn sie sich häufig aufziehen. Als Gegenpol zu Fredy, der krankhaft auf ihn reagiert, sorgt er jedoch für weitere Verwirrungen. Ein wenig könnte ich noch über Handlung und Beziehung schreiben, aber wirklich etwas gesagt hat mir der Film nicht, schaut ihn euch an. Stilistisch: Wie so oft bei Kurzfilmen ohne Musik, was durchaus nicht schlecht ist, recht konservativ gefilmt, allerdings einige Einstellungen, die gut Verwirrung oder Beklemmung ausdrücken.

Film 2: Auf Wiedersehen, Mandima

Auf Wiedersehen, Mandima („Französischer“ Originaltitel: Kwa heri Mandima)

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(ebenfalls nur bis Freitag gültig)

Mithilfe alter Kinderfotos erzählt Regisseur Robert-Jan Lacombe von seinem Aufbruch aus dem damaligen Zaire.

Eine persönliche Sicht auf den Wahnsinn der Spaltung der Welt. Schön anzusehen.

Atomausstieg: Dreckige Opportunisten

Tuesday, March 15th, 2011

Was höre ich da vom allseits geschätzten Bundesinnenminister Norbert Röttgen über die Zukunft der Atomkraft in Deutschland angesichts der Geschehnisse in Japan (insbesondere Fukushima):

Und Restrisiko ist seit Japan nicht mehr nur eine statistische Größe, sondern eine schreckliche Lebenserfahrung.

Aha, was sagt uns das? Herr Röttgen hat nicht den Hauch einer Ahnung von Stochastik!

  • Das Risiko ist und bleibt eine stochastische Größe, egal was passiert.
  • Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses ändert sich nicht durch sein Eintreten.
  • Er und seine Politikerfreunde aus CDU, CSU und FDP haben das Risiko als gering eingeschätzt, es liegen keinerlei neue Informationen vor, aus Japan gibt es keine konkreten Neuigkeiten, welche Komponenten eines Atomkraftwerkes ein höheres Risiko aufweisen mögen, als bislang angenommen, dennoch soll bei unverändertem Informationsstand die ursprüngliche Risikobewertung nicht falsch gewesen und die aktuelle eine Aktualisierung sein.

Nach diesen (fast) gänzlich neutral dargestellten Fakten nun meine Meinung: Dreckige Opportunisten, als sie die Wahlen noch mit unpopulären Laufzeitverlängerungen gewinnen konnten, und ihnen das Wohlwollen der Energiekonzerne noch mehr Wert war als ein paar Wählerstimmen und der Gesamtwille, da gab es keine Risiken und wen interessieren schon die Probleme mit der Endlagerung, die Sozialisierung der Entsorgungskosten und die Vertuschung ebenjener Dinge? Über das Geschwätz der letzten Jahre redet man jetzt aber nicht mehr, die Probleme mit der Entsorgung, die wohl wesentlich konkreter als die Restrisiken sind, sind wohl nicht mehr der Rede wert, und da man erwartet, dass in der Wählerschaft durch die Berichterstattung über Japan vermehrt negative Gefühle betreffend der Kernspaltung ausgelöst werden, wird nun eben einmal die Haltung angenommen, dass der Ausstieg doch ganz sinnvoll ist – aber nur vorläufig, bis nach den nächsten Wahlen, eine Aussetzung der Aussetzung der Aussetzung der Atomkraft. Schon bei der Bundeswehr arbeitete man ja mit dem Konzept der Aussetzung, dass vor der Notwendigkeit klarer Bewertungen – ideologischer oder pragmatischer Natur – bewahrt.
Was sind denn Werte für die Herren Neoliberalen und Konservative? (Anmerkung: Eigentlich bin ich ja gegen die Benutzung der Wörter „Freiheit“ und „Liberalismus“ im Zusammenhang mit der FDP, aber schon bei der Erklärung des Akronyms wird es schwierig) Sie haben doch besseres als Werte, die Wirtschaft in der Lobby ruft! Man könne sich doch einigen, ein paar Milliarden mehr schnell verdientes Geld für ein paar Oligopolisten, und noch ein bisschen weniger Druck, was die Entwicklung zu regenerativen Energiequellen angeht. Doch nun die Schreckensbotschaften – man muss ja auch an die Bürger, äh Wähler, äh Wahlen denken! Man will in Guttenberg-Manier die Abkehr vollziehen, nicht über die Fehler redet man, nur allgemeines Geschwätz. Der Wähler wird es nachsehen, egtl. hat die Regierung ja einen guten Job gemacht, und nun korrigiert sie eben ein wenig. Das sind doch gute Menschen, und man muss doch auch die sonstigen – obgleich nicht existenten – Verdienste sehen. Guttenberg hat sich die Beliebtheit so bewahrt, CDU, CSU und FDP, die wollen das auch.
Natürlich begrüße ich die Veränderung in der Atompolitik, und es war auch irgendwie zu erwarten nach den Geschehnissen in Japan, dennoch möchte ich diesen Opportunismus der Regierung negativ bewerten, Ehrlichkeit, obgleich sie nichts, nämlich die Fortsetzung der Laufzeitverlängerungen, gebracht hätte, sähe anders aus.

Shedding tears, but not crying

Thursday, March 10th, 2011

This is a short post, so I have written it in English and German.

Today I shed some tears – maybe thrice – but I did not cry (no mimic shift, no sadness). That is strange, there were simply some tears, and they were salty. I had already experienced crying without shedding tears, but that is really a new thing.

Heute habe ich ein paar Tränen vergossen, wohl etwa dreimal, aber ich habe nicht geweint, meine Mimik hat sich nicht verändert, und ich war auch nicht traurig. Irgendwie merkwürdig. Es waren einfach nur ein paar Tränen da, sie waren auch salzig. Geweint, ohne Tränen zu vergießen, habe ich schon, aber das ist mir jetzt neu.

Das Christentum gehört nicht zu Deutschland

Monday, March 7th, 2011

Die ernsthafte Zugehörigkeit des Christentums zur Bundesrepublik Deutschland lässt sich historisch nicht belegen. Historisch gesehen muss die Bundesrepublik in Abgrenzung zu vorherigen Staaten mit ähnlichem Staatsgebiete betrachtet werden. War im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation noch die meiste Politik sehr heilig, der Gottesfrieden (nur für Christen, versteht sich) und das Gottesgnadentum (dank dessen es damals nicht diese Hetzjagden auf gute, konservative Politiker gab, das waren noch gute Zeiten für Herrn – Verzeihung, Freiherr – Enoch Guttenberg) sorgten für die angenehme, sakrale Atmosphäre in die Politik, und wie in jeder anständigen Messe galt es auch hier, das Blut zur VergeltungVergebung der Sünden zu vergießen.
Nach einigem Gerangel mit denen, die wir nun Erbfeind – oder in der saloppen Jugendsprache Franzosen – nennen, durfte man ein wunderbares neues Konstrukt begrüßen: den aufgeklärten Absolutismus, wie man so schön sagt. Das hatte zwar schon mehr Ähnlichkeiten mit unserer Gesellschaft, in der man sich wohl auch gerne aufgeklärt zeigt und an gänzlich widersprüchlichem festhält, aber das Klammern guten, kranken protestantischen Moralvorstellungen ging doch über noch darüber hinaus, ebenso der gute Militarismus und Imperialismus. Und nach dem ersten und dem zweiten Reich folgte auch das dritte Reich mit viel Tamtam und einem Reichskonkordat.
Nun gab es aber auch andere Strömungen, z.B. jene aufklärerische Gedanken wahrlich und nicht erst mit ein oder zwei Jahrhunderten Verzögerung Denkenden, die an Freiheit und Gerechigkeit glaubten, und schließlich jene, die Freiheit und Gleichheit nicht bloß opportunistisch zu denken wagten, mag das bei uns nicht mehr der Fall sein, so ist es doch das, worauf wir uns berufen. Mag das Grundgesetz den „Gott“, wie es sich doch gehört, noch im Prolog erwähnen, so geht es doch darum, die christliche Religiösität endlich herauszuschneiden, wie auch schon in Weimar es gedacht ward. Die immerwiederkehrende Beglückung mit den christlichen Opportunisten vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, welche Ideale hinter der Konzeption dieses Staates stehen. Nicht genug herausgeschnitten kann dieses Geschwür werden, doch leider gibt es drängendere Probleme als die immer noch breite gesellschaftliche Bindung an das Christentum.
Neben Geschichte und Politik sollte auch unser kulturelles und geistiges Erbe bedacht werden: Welchen Gott verehrten jene alten Aufklärer, Descartes, Rousseau? Den abstrakten, den in die Nichtigkeit gestürzten, den von Pascal ungeliebten Gott der Philosophen, den man sich im Gegensatz zur gänzlichen Leugnung hier in Europa erlauben konnte. An welchen Gott glaubten Herr Goethe und Herr Schillr, die doch bis heute als kulturelle Heilige verehrt werden? Nicht-Gott. Und auch Marx und Nietzsche und Freud gilt es heute zu beachten, die Gedanken des Atheismus sind die Gedanken der Menschlichkeit, der Menschenwürde.

Wo wir nun wissen, dass das Christentum nicht zu Deutschland gehört, möchte ich nun nicht mehr verschweigen, wie ich zum Schreiben dieses Textes komme: „Unser“ neuer Bundesinnenminister (CSU, der Name ist wohl nicht nennenswert) hat sich zu der kürzlich feierlich vorgebrachten Aussage des Bundespräsidenten (CDU, ebenso), der Islam gehöre zu Deutschland distanziert, unter dem Vermerk, dass dies sich historisch nicht belegen ließe. Zum einen frage ich mich, wann die muslimischen Bevölkerungsteile bitte zu uns gekommen sein sollen, wenn nicht in der Geschichte. Zum anderen wirft es eben die Frage, auf welche Rolle das Christentum spielt, wohl kaum mehr als Inspiration für jene Randparteien mit dem christlich inspirierten C im Namen. Religionen sollten überhaupt kein Teil Deutschlands sein, auch religiöse Menschen, ob Atheisten, Christen, Muslime oder sonstige Theisten, gilt es aufzunehmen, und es geht darum, Ideale der Menschlichkeit und der Freiheit zu pflegen, aber irgendeine Religion an sich soll niemals „zu Deutschland gehören“, es ist dabei auch vollkommen unerheblich, wie breite Bevölkerungsgruppen jetzt oder in der Geschichte einer gewissen Religion angehören. Aber auch unter diesem Gesichtspunkt ist es erstaunlich, wie die atheistische und agnostische Religiösität und Nicht-Religiösität trotz der großen Anhängerschaft ignoriert wird. Integrationsförderlich sind die Aussagen des Hans-Peter Friedrich natürlich auch nicht.

Ein Bonmot zarten Humors zum Schluss: Der Regierungssprecher Steffen Seibert wird mit den Worten „Da wird ein Gegensatz in Äußerungen des Bundespräsidenten und des neuen Innenministers hineingedeutet, den es so gar nicht gibt“ zitiert. So fuzzy kann Logik doch gar nicht sein, dass die Negation der Aussage Christian Wulffs nicht im Widerspruch zur Aussage Christian Wulffs steht, nun gut, wieso sollte ein Regierungssprecher, ein Journalist, der weder Mathematik noch Philosophie studiert hat, denn mit logischer Argumentation umgehen können?

Passende journalistische Quellen möchte ich natürlich nicht vorenthalten:
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/nehmt-ihm-die-islamkonferenz-weg/
http://www.fr-online.de/politik/minister-empoert-muslime/-/1472596/7743606/-/index.html

Sämtliche Anspielungen und Mehrdeutigkeiten in diesem Text sind vollkommen beabsichtigt, außer ich war mir ihner zum Zeitpunkt des Verfassens nicht bewusst.

Karneval ist nicht politisch, nicht humorvoll und nicht verrückt

Saturday, March 5th, 2011

Guten Abend!

Ich gehe einmal davon aus, was Karneval, Fasching, Fastnacht o.ä. ist, wisst ihr. Wo ich lebe, ist dies im Moment sehr aktuell, viele Leute haben ihren Spaß, verkleiden sich, feiern, betrinken sich, wie es beim Feiern üblich ist, und nehmen evtl. noch an etwaigem Brauchtum teil.

Nun gibt es aber jene, die solche Aspekte wie das Politische am Karneval, Humor oder Verrücktheit in diesem Zusammenhang ins Spiel bringen. Ich fange hinten an: Der Karneval hat nichts mit Verrücktheit zu tun, Karneval wird kollektiv begangen, ebenso wenig, wie es des Mutes oder Wahnsinns bedarf, sich im Rest des Jahres ordentlich gekleidet zur Arbeitsstätte zu begeben, bedarf es irgendeiner Verrücktheit, sich an Karneval besonders zu schminken oder die Verkleidung anzulegen. Mag es nicht erzwungen sein, gehört es doch zur gesellschaftlichen Erwartung, alle (d.h. viele) machen mit, und danach kehrt man zur Normalität zurück, ohne zu bemerken, dass man sich nie aus der Normalität herausbegeben hat, Karneval mag gewisse Bedürfnisse befriedigen, teils exzessiv sein, aber ein gesellschaftlicher Einfluss besteht nicht, man distanziert sich nicht von widerwärtiger Normalität, man macht nur einfach einmal etwas anderes mit seinen Mitmenschen.
Karneval ist somit sicherlich keine Revolution, zum Politischen wäre schon etwas gesagt, doch mehr dazu: Im „organisierten Karneval“ biedert man sich immer wieder an, politisch zu sein, politische Umzugswagen, die ach so provokant erscheinen sollen, politische Themen bei manchen Büttenreden. Doch das alles: Teil des „Brauchtums“, niemand wird ernsthaft provoziert, es wird mit einem Bier in der Hand einfach allgemein angenommen. Politik bedarf des Konflikts („Politik (ist) gesellschaftliches Handeln, … welches darauf gerichtet ist, gesellschaftliche Konflikte über Werte verbindlich zu regeln.“ – Gerhard Lehmbruch). Ich möchte nicht das küntlerische Vermögen der Wagenbauer und Büttenredner völlig in Abrede stellen, doch ruht die bildende Kunst etwa im Rest des Jahres, sind die Wagenbauer die Vorreiter der Avantgarde, gibt es nicht auch sonst im Jahr das politische Kabarett, das es auch vermag, Menschen im nüchternen Zustand und ohne Signale zum Lachen mit Politischem zu konfronteren? Womit eine Überleitung zum Thema Humor gefunden wäre: Der Karneval mag eine Ausweitung des Humorvoll-Scheinens zu bewirken, jedoch auch eine Verflachung eben dessen. Der Humor, die Ironie, der Sarkasmus – sie sind etwas wunderbares in einer Welt der Absurdität und Geringfügigkeit einer jeden Person, sie stellen sich oft im Leben ein und nehmen dem Smalltalk das Lapidare und die Oberflächlichkeit, wenn man es denn zulässt, und sich nicht einfach nur normal und gesittet unterhalten möchte. Doch die Einbeziehung von Humor im Karneval ist gerade das Normale und Gesittete, man lacht kollektiv über jeden Witz, den man sonst im Jahr noch nicht einmal hören wollte, ebenso wie man sich mit spezieller, bedeutungsloser Musik unterhält, die die Bedeutungslosigkeit des ganzen Brauches unterstreicht, sie ist nur Teil dieses speziellen Ereignisses, zu anderen Zeien würde man so etwas wiederum nicht hören wollen, man hat ja schließlich seine Arbeit zu erledigen und gesittet seinen gesellschaftlichen Pflichten nachzugehen und zu feiern. Karneval – das Äußerste, das unsere Gesellschaft als Ganzes zu bieten hat? Das wäre doch schade, aber vielleicht ist es so, schade.

So viel dazu. Ich akzeptiere es – auch wenn ich es kaum nachvollziehen kann – dass Menschen im Kollektiv feiern möchten, die Droge Alkohol trotz ihrer Gefährlichkeit konsumieren, ihre sinnlosen, unpolitischen Bräuche „pflegen“ (nein, was vor 150 Jahren politisch war, ist es wohl heute nicht mehr unbedingt) möchten. Das macht einen Menschen nicht schlecht, Menschen sind vielseitig und widersprüchlich, gute Menschen können Seiten haben, die diesen Beschäftigungen nachgehen. Höhere Ansprüche mit dem Karneval zu verbinden – das sehe ich dagegen nicht ein.