„Die Welt“ über Gaddafi

Hallihallo!

Ich schreibe hier über einen wirklich alten Zeitungsartikel (2006), aber ich fand das doch interessant.

Als ich vor einigen Wochen ein wenig über Gaddafi im Internet gestöbert habe, bin ich auf den Artikel „Muammar al-Gaddafi – wie ein Erzschurke sich zum Friedensbotschafter wandelt“ der Zeitung „Die Welt“ aus dem beliebten Verlagshaus Axel Springer gestoßen, was Gaddafi für Gedichte schreibt, wollte ich eben schon mal gerne wissen. Aber mir ist etwas völlig anderes aufgefallen, so heißt es dort:

Gaddafis Libyen galt vor allem in den 80er und Anfang der 90er Jahre als Synonym für weltweiten Terrorismus. La Belle, Lockerbie und Niger – Stichworte für Mord und Terror unter der Regie libyscher Geheimdienste. Gaddafi alimentierte weltweit Terroristen, die er Befreiungskämpfer nannte: Die Irisch-Republikanische Armee (IRA) ebenso wie die Muslimrebellen der Moro-Front auf den Philippinen oder die Sandinisten in Nicaragua. Aber auch die Anti-Apartheid-Bewegung von Nelson Mandela gehörte zu Gaddafis Schützlingen, was die etwas skurrile Freundschaft zwischen dem südafrikanischen Friedensnobelpreisträger und dem beduinischen Wirrkopf erklärt. Im Wüstenort Rabita wollte Gaddafi angeblich eine Giftgasfabrik bauen, ein “Auschwitz im Wüstensand”, wie die “New York Times” aufgeregt titelte.

Moment einmal, was wird da alles über einen Kamm geschoren? Die demokratisch gewählten Sandinisten, die von von den USA heimlich unterstützten Terroristen attackiert wurden, Urteil am internationalen Gerichtshof gegen die USA? Interessiert Die Welt doch nicht, die Sandinisten sind böse, wir wollen doch keine Antiamerikanismus. Da werfen wir das doch einmal zusammen mit ein paar terroristischen Aktionen, deren Zusammenhang mit Gaddafi wiederum nicht belegt und zu einer guten Chance von den USA als Grund erfunden worden ist, um Libyen zu bombardieren. Bei der Moro-Front wiederum war es gerade Libyen, das mit der philippinischen Regierung vermittelt hat. Und all die Gruppierungen stellt man dann noch neben Auschwitz, nur bei Mandela hat man mal eine Ausnahme gemacht, der ist ja schließlich in der Öffentlichkeit mittlerweile anerkannt. Am dreistesten finde ich das aber immer noch mit den Sandinisten, die Terroropfer neben die terroristischen Gruppen. Was ist das bitte für eine Presse?

Dann habe ich noch einmal nach anderen Artikeln Der Welt über Nicaragua gesucht, und was finde ich da, Mythos Nicaragua – 30 Jahre nach der Revolution: Da der Artikel hier etwas ins Detail gehen muss und sich Die Welt ja anbiedert, seriös zu sein, werden die Sandinisten nicht mehrl als Terroristen dargestellt, allerdings auch kein Wort über die Contras, die Sandinisten wurden einfach so abgewählt, weil sie „auf kubanische und ostdeutsche Ideologieberater zurückgriffen“, aha.

PS:
Es geht mir natürlich nicht darum, Gaddafi zu verteidigen, sondern nur darum, was Die Welt da schreibt.

Leave a Reply

XHTML: Use <blockquote cite="name"> for quotations, <pre lang="text    ∨ cpp-qt ∨ cpp ∨ bash ∨ other language"> for code, [latex] for formulas and <em> for em. Contact me if the comment does not get published, it may have accidentally been marked as spam.

Anti-Spam Quiz: