Barfüßigkeit in den Pinakotheken

Ein Erlebnis, von dem ich bislang hier noch nicht erzählt habe (eines von vielen): Vor einigen Wochen stattete ich der Pinakothek der Moderne in München einen Besuch ab. Neben kräftiger BMW-Werbung gab es wirklich großartige Werke zu sehen, von Dalí, Beuys und vielen anderen. Fotos durften gemacht werden und es war einfach ein schöner Besuch. Wie es mir beliebte, war ich barfuß unterwegs, und als ich mit dem Gedanken spielte, das Museum zu verlassen oder noch einen Teil zu erkunden, und hierzu ins Foyer zurück geschritten war, sprach mich doch tatsächlich eine Angestellte des Museums an, ich könne mich nicht ohne Schuhen in ihren Räumlichkeiten aufhalten. Sie fragte nach dem Aufenthaltsort meiner Schuhe – Garderobe/Rucksack – ich möge sie doch bitte anlegen, so sei die Hausordnung. Auch hielt sie sich nicht damit zurück, mit dem Kontaktieren des Sicherheitspersonals zu drohen. Da ich mir dachte, wie blödsinnig dies ist, wollte ich doch interessehalber diese Hausordnung auch einmal sehen, geht ja nicht an, dass man sich vage auf irgendein Dokument beruft und nichts vorzuweisen hat, zudem hatte ich mich in einer ähnlichen Situation schon einmal abwimmeln lassen – dies sollte sich nicht wiederholen. Sie reagierte gereizt und beleidigt, ich würde ihr nicht glauben, in der Tat hatte ich meine Zweifel, was da in der Hausordnung bitte stehen sollte, doch meine Motivation war mein Interesse.

Ganz ohne den Sicherheitsdienst zu kontaktieren ging sie dann doch zum Thresen und suchte nach der Hausordnung, fragte Kolleginnen nach dem Aufenthaltsort ihrer und rufte sogar an anderer Stelle an. Die Forderung nach Einsicht schien wohl doch nicht völlig unberechtigt. Während dessen redeten sowohl sie als auch eine andere Angestellte auf mich ein, wieso ich ihr denn nicht glaube, obwohl sie so lange schon dort arbeite (die eine), und dass man schließlich nicht wolle, dass das Museum zu einer Art Badewiese verkomme (die andere, wenn ich mich recht entsinne). Schließlich wurde die Hausordnung doch in einem Papierstoß ausfindig gemacht, und ich staunte nicht schlecht: Es wurde tatsächlich in einem Abschnitt konstatiert, dass das Betreten sowohl mit Rollschuhen als auch ohne Schuhe „(‚barfuß‘)“ nicht gestattet sei. So verließ ich verwundert und noch immer barfüßig das Gebäude und wurde noch von hinten als Querulant beschuldigt, da ich nunmal Interesse gezeigt habe.

In einem Satz mit Rollschuhen? Geht es um eine vermeintlich erhöhte Rutschgefährdung, durch die empfindliche Kunstwerke, wie etwa geklebte, frei im Raum stehende Schnüre bedroht werden könnten? Bei den genervten Angestellten war keine Nachfrage mehr möglich, doch die Antwort eines Herrn Regierungsdirektors auf meine EMail-Anfrage brachte dann zum Vorschein:

Als Museen von Weltrang sind wir der Kunst und Ästhetik in besonderer Weise verpflichtet und haben deshalb in unserer Hausordnung die Erwartungshaltung festgeschrieben, dass unsere Besucher der Kunst in üblicher Bekleidung gegenübertreten, wozu nach unserer Auffassung auch Schuhe gehören.

Wunderbar, ich dachte zumindest die Pinakothek der Moderne hätte sich der Kunst verschrieben, und nicht bürgerlicher Selbstdarstellung. Tja, was soll man machen, künftig heißt es dann wohl Waschlappen um die Füße binden. Frei Kunst und freies Denken! Jaja… Das erklärt jedenfalls, wenn keine Kunst in Moscheen aufgehängt wird, wäre ja respektlos, und so mancher Orden hat wohl kollektives Hausverbot in den Pinakotheken.

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