Der RSB zu „Internet, Software und Revolution“ und dem Fall Guttenberg

Der Revolutionär Sozialistische Bund/ⅠⅤ. Internationale schrieb vor einem Monat über „Internet, Software und Revolution“ und ging dabei insbesondere auch auf Freie Software sowie als Aufhänger die Plagiats-Affäre Karl-Theodor zu Guttenbergs ein. Unbezweifelbar der Vorteil des Internets, das schnelle Kooperation und dank zumindest teilweise vorhandenen offenen, indizierten Informationsquellen eine effiziente Arbeit ermöglichte. Letzteres ist natürlich leider nur teilweise gegeben, Google Books und SpringerLink stellen nicht gerade ein Non-Plus-Ultra dar, und sollten wissenschaftliche Werke egtl. im Sinne der Allgemeinheit geschaffen werden, was dank staatlicher Vorfinanzierung im akademischen Bereich relativ bequem mäglich wäre.

Weiter im Text: Der RSB kritisiert die Kritik an der Kritik an Guttenbergs Plagiarismus,

Letzten Endes lief diese ganze Kritik darauf hinaus, dass Guttenberg sich nicht den bürgerlichen Eigentumsverhältnissen unterworfen hat, bzw. deren in die Welt der Wissenschaft gedachter Verlängerungslinie. Natürlich ist es zynisch, wenn ein Multi-Millionär, dessen ganzes Eigentum auf eben diesen Verhältnissen beruht, sie genau in dem Moment bricht, wo es seinem egoistischen Privatinteresse dient.

Abgesehen vom Wahrheitsgehalt des herausgestellten Zynismusses, denke ich, dass doch noch einiges unabhängig von (urheber-)rechtlichen Erwägungen für eine moralische Verurteilung dieses Plagiarismus steht:

  • Der RSB stellt als Gegenmodell Freie Lizenzierung wie etwa in der Wikipedia dar. Nun ist aber die Wikipedia etwas gänzlich anderes als eine Dissertation, erstere besteht aus Tertiärtexten, zweitere ist ein Primärtext. Hier gilt es weiter zu unterscheiden.
  • Eine Doktorarbeit soll nicht eine umfassende Erläuterung bekannter Sachverhalte sein, sondern primär die neuen Forschungsergebnisse eines (angehenden) Wissenschaftlers (oder Politikers, der sich etwas darauf einbilden will) darstellen. Die „Redundanz“ die ein Plagiat mit dem Original aufweist, ist hier nicht von Nöten, gefragt sind nur die neuen Ergebnisse, deren Vorstellung mit je nach Disziplin mehr oder weniger Zitaten besser durchgeführt werden kann.
  • Zudem geht es um den Nachweis einer persönlichen Forschungsleistung, Guttenberg hat hier einmal mehr mit Unehrlichkeit geglänzt (man erinnere sich an den Vorfall mit dem Tankwagen).
  • Man mag das ganze System von akademischen Graden und persönlicher Leistung in Frage stellen, dennoch (ob es dem RSB passt oder nicht): Es wird Menschen immer auch um Selbstverwirklichung, um Individualismus gehen, und das ist gut so, zudem sollte eine Forschungsleistung auch auf den (die) Urheber zurückzuführen sein. Somit lässt sich auch Selbstdarstellung nicht vermeiden, und der Plagiarismus bleibt ein Beschmücken mit fremden Federn, niederträchtige Lüge.

Ich denke nicht, dass die meisten Menschen ihre Kritik aus den „bürgerlichen Eigentumsverhältnissen“ heraus motivierten, sondern schlichtweg die Unehrlichkeit des Ministers zu Tage treten sahen, und diese moralisch verurteilten.

Im Folgenden wird die Absurdität des Eigentumsprinzip für Wort und Software eindrücklich dargestellt, man ist weg vom Aufhänger Guttenberg. Interessant ist dann der Übergang zum Thema „Revolution“, wie es der Titel verspricht. Ich zitiere einen hervorstechenden Satz:

Die Unverträglichkeit von Autoritarismus und Internet zeigte sich daran, dass die Diktaturen in ihren letzten Tagen das Internet schlicht abschalten ließen. Wenn sich bereits so etwas wie facebook für eine Umwälzung nutzen lässt, dann können wir nur erahnen, in welchem Umfang sich Plattformen nutzen ließen, die von vornherein für hierarchiefreie Kommunikation gemacht sind.

Ich stimme gänzlich zu, dass sich dadurch neue Möglichkeiten schaffen lassen, in demokratischer Kontrolle, demokratischer Entscheidungsfindung – wirtschaftlich und politisch –, wie sie in einer weniger technisierten Welt kaum möglich erschienten. Konstituierender Bestandteil dabei sollte die Freiheit sein, Freie Software, Freies Wissen, ich empfehle das Lesen des Artikels.

Leave a Reply

XHTML: Use <blockquote cite="name"> for quotations, <pre lang="text    ∨ cpp-qt ∨ cpp ∨ bash ∨ other language"> for code, [latex] for formulas and <em> for em. Contact me if the comment does not get published, it may have accidentally been marked as spam.

Anti-Spam Quiz: