Man ist ja nicht ausländerfeindlich

Man ist ja nicht ausländerfeindlich, aber manch einer ist doch Hunger- oder Wassertod besser aufgehoben als hierzulande. So scheint zumindest der rechte Saft aus den Mäulern mancher christlich demokratischer und sozialer unierter Politiker in Deutschland zu laufen, Muslime sind ja sowieso schlechtere Menschen, demokratieunfähig, bedürfen keiner sozialen Unterstützung und die Union sollte doch spätestens an Europas Grenze aufhören.

Ob vom bundesdeutschen CSU-Innenminister Hans-Peter Friedrich oder dem bayrischen Pendant Joachim Herrmann: Grenzen abschotten, niemand darf ins Land, die Italiener sollen sich alleine drum kümmern, am besten mit dem Militär („Dazu müsste die italienische Marine wohl in der Lage sein“), sehr angemessen, eine Küstenwache hat einfach nicht die Ausbildung zum zuverlässigen Versenken. Man zeigt sich natürlich gnädig, die 100 erbarmungswürdigsten Afrikaner aus den schlimmsten Bürgerkriegsregionen dürfen rein, die sogenannten „Wirtschaftsflüchtlinge“ weiß man klar davon zu trennen, das dreckige afrikanische Geschmeiß darf keine Chance bekommen, nachher noch in Deutschland einen Euro zu verdienen. „Wirtschaftsflüchtlinge“ – natürlich, vor dieser Wirtschaft würde man schon einmal gerne fliehen, die solche Armut hervorbringt, doch dies ist auf diesem Planeten vllt. durch Eremitentum, nicht aber durch das Auswandern möglich, die Flucht geschieht nicht vor der Wirtschaft, sondern vor der Symptomatik, vor der Armut. Die Nationalstaatlichkeit bleibt unüberwunden, auch den marginalen paar Tausend Asylbewerbern, die es hier in Deutschland immer gibt, darf man nicht nachgeben, wo käme man denn dahin?

Man braucht keinen Respekt vor denen, die viel, sehr viel in ihrer Heimat aufgeben, die von uns geschaffenen und geförderten Risiken der Reise nach Europa auf sich nehmen, es sind ja nur Wirtschaftsflüchtlinge, die machen eine kleine Reise – machen deutsche Tunesienurlauber ja auch – und werden dann eben zurückgeschickt – Reklamation, ihr Bürgerkrieg war nicht blutig genug für deutsche Standards. Wir sind ja sogar nett, organisieren wir ihnen doch einen schönen Platz im Asylantenheim und auch den Rückflug, sogar mit polizeilicher Begleitung bis zum Flughafen, so viel Service umsonst gibt es für die deutschen Tunesienurlauber nicht. Menschlichkeit ist unwichtig, Wirtschaftsflüchtlinge müssen raus, selbst wenn sie eine Chance für ein Land mit sinkenden Geburtenraten und Einwanderungszahlen sind. Die Probleme müssen natürlich auch nicht gelöst werden, jeder für seine Nation, vllt. noch ein wenig EU für eine bessere Wirtschaft, aber wieso sollte man den Hunger angehen? Da ist einem doch der Entwicklungshilfeminister von der FDP, der sein Ministerium für Entwicklungshilfe gleich abschaffen will, sehr genehm. In Frankreich und Italien ist man mit den rechten Politikerköpfen von Berlousconi und Sarkozy natürlich genauso gut dabei, nur hat Berlousconi einmal pragmatisch versucht, anderen ein wenig Verantwortung zu übertragen, wo er selbst heraus wollte, aber man will die rechten und völkischen Wähler natürlich nicht enttäuschen, indem am Ende noch ein Afrikaner in ihrer Nachbarschaft wohnen darf.

Was soll an einem solchen Aussagen zugrundeliegenden Weltbild nicht menschenverachtend sein? Parteien wie CDU und CSU sind nicht radikal, aber fehlende Radikalität macht solches Gedankengut noch lange nicht hinnehmbar. Erstaunlich, wie so etwas dennoch von Medien und allgemein der Bevölkerung hingenommen wird, während NPD- und Sarrazin-Aussagen glücklicherweise recht einhellig geächtet werden.

One Response to “Man ist ja nicht ausländerfeindlich”

  1. aury Says:

    Es gäbe eine sehr einfache Lösung: Das amerikanische “workfare”-Modell (unter Bill Clinton eingeführt).

    Konkret also:
    – Begrenzen der monetären Sozialhilfe auf insgesamt 5 Jahre im Leben, und max. 2 Jahre am Stück – Ausnahmen nur für Behinderte und Berufsunfähige.
    – Zahlung von Sozialhilfe nur an Staatsbürger

    Dafür aber:
    – Kombilohn zur Aufbesserung niedriger Einkommen
    – Zeiitlich unbegrenzte komplementäre nicht-monetäre Angebote wie Sozialwohnungen, Lebensmittelgutscheine und Bildungsgutscheine für wirklich arme Menschen (also die, die sonst wirklich kein Dach über’m Kopf und kein Essen auf’m Teller hätten).

    Und zusätzlich (was es in den USA *nicht* gibt):
    – Schnelle Aufnahme mehr oder weniger aller Asylbewerber
    – Zeitlich begrenzte (z.B. 6-monatige) monetäre Übergangshilfe für neu angekommene Asylanten
    – Vereinfachung des Erlangens der deutschen Staatsbürgerschaft für Ausländer, die eine feste Arbeitsstelle, gute deutsche Sprachkenntnisse und ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis vorweisen können.

    ……….
    Dann würden wir nicht nur einen Großteil der Unsummen, die unser Sozialstaat verschlingt, sparen (und könnten endlich ernsthaft unsere Staatsschulden abbauen), sondern es bräuchte auch niemand “Wirtschaftsflüchtlinge” von “echten Asylberechtigten” aussortiert – wir könnten ganz einfach alle aufnehmen, die unter den oben genannten Bedingungen kommen wollen.
    Für das lebenslängliche Hartz 4 nach Deutschland zu kommen und sich dafür als libanesischer Flüchtling auszugeben, obwohl man in Wahrheit aus der Türkei kommt und nur die dort niedrigere Sozialhilfe aufbessern will, würde sich ganz einfach nicht mehr lohnen.

Leave a Reply

XHTML: Use <blockquote cite="name"> for quotations, <pre lang="text    ∨ cpp-qt ∨ cpp ∨ bash ∨ other language"> for code, [latex] for formulas and <em> for em. Contact me if the comment does not get published, it may have accidentally been marked as spam.

Anti-Spam Quiz: